Die BBS III Mainz und die BBS Ahrweiler im Austausch mit Schülerinnen und Schülern aus Warschau

Großes Hallo im Europahaus: Sind wir zurück im Kalten Krieg?

11. November 2025. Inzwischen ist eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der BBS III Mainz im Europahaus Marienberg (EHM) eingetroffen. Sie haben sich vorgenommen, eine Woche lang mit weiteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Polen und Deutschland über die Zukunft unseres Kontinents zu diskutieren – und in seine wechselhafte Geschichte einzutauchen. Dazu setzen sie sich auch mit dem Alltag im Kalten Krieg auseinander. Begleitet wird die Schuldelegation der BBS III Mainz wieder von Karin Kunert und Stephan Göbel. 

Vor Ort wurde für die Teilnehmenden ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm vorbereitet. Neben dem gemeinsamen Erleben und gegenseitigen Kennenlernen steht das Nachdenken und Debattieren über politische Fragen im Vordergrund. Die zentrale Frage warf Teamer Andreas Christ gleich am ersten Tag auf: „Wohin steuert Europa?“ 

Aus der polnischen Hauptstadt Warschau sind 20 Schülerinnen und Schüler des Modrevius-Liceum Ogólnokształcące (Gymnasiale und Berufliche Oberschule) angereist, begleitet von ihren Lehrerinnen Dorota Gadomska und Joanna Boryczka. Von der BBS Bad Neuenahr-Ahrweiler kam Sozialkundelehrerin Claudia Ehl mit einer Delegation des Beruflichen Gymnasiums und der Höheren Berufsfachschule. Und aus Mainz sind es Teilnehmende von der Berufsfachschule II Wirtschaft und Verwaltung (BF2WV) sowie Auszubildende auf Bildungsurlaub, welche als Verwaltungsfachangestellte (BSVWF) oder Medizinische Fachangestellte (BSMF) die Berufsschule besuchen. „Die Begegnung mit deutschen Partnerschulen ist für uns auch deshalb wichtig, damit unsere jungen Leute ihre Deutschkenntnisse praktisch anwenden können“, meinte Dorota Gadomska. 

 

Ein ganz besonderes Angebot ist in Zusammenarbeit mit dem Weiterbildungszentrum (WBZ) in Ingelheim entstanden: Die Beletage der früheren Landratsvilla in Bad Marienberg wurde dazu aufwendig umgestaltet. In drei Räumen können die Teilnehmenden dem Alltagsleben einer Kleinfamilie in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nachspüren. Vom Vater, einem hochdekorierten Ingenieur und Reservisten der Nationalen Volksarmee (NVA), zeugen amtliche Dokumente, Erfinderpatente, Auszeichnungen und Uniformen. Auch seine mechanische Schreibmaschine steht zur Benutzung noch auf dem Arbeitstisch. Die Mutter hat einen Briefwechsel in der Wohnung hinterlassen. Die beiden Kinder haben sehr unterschiedliche Wege eingeschlagen. Während das Zimmer der Tochter keinen Zweifel daran lässt, dass sie sich der illegalen Punkszene in der DDR angeschlossen hat, finden sich im Zimmer des Sohns Blauhemden und Liederbücher der sozialistischen Massenorganisation „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ). 

 

Das Durchstöbern dieser Wohnung ist eine Zeitreise in eine längst vergangene, fremde Welt des Systemgegensatzes. Doch es scheint beinahe so, als wäre inzwischen ein neuer Kalter Krieg im Gange. Warum diese Begegnung junger Leute aus unterschiedlichen Ländern Europas mit ihrer eigenen Geschichte so wichtig ist, fasst Stephan Göbel so zusammen: „Das freie, vereinte Europa ist eine historisch einzigartige Chance – verspielen wir sie nicht!“